Veröffentlichung

Fortschritt – der ISÖ-Podcast – Folge 7 – Menschliche offene Grenzen

In der siebten Folge des ISÖ-Podcast widmet sich Michael Opielka der Frage der Migration als einer der zentralen moralischen und politischen Herausforderungen unserer Zeit. Ausgehend von der Weihnachtsbotschaft Urbi et Orbi von Papst Leo XIV., der eindringlich an die Würde von Flüchtlingen und Migrant:innen erinnert, wird Migration nicht als bloßes sicherheits- oder sozialpolitisches Problem behandelt, sondern als ethische, moralphilosophische und menschenrechtliche Bewährungsprobe moderner Gesellschaften.
Opielka zeigt, dass Migration die Spannung zwischen universalen Menschenrechten und nationalstaatlich organisierten Sozial- und Rechtssystemen sichtbar macht. Während Menschenrechte Gleichheit aller Menschen beanspruchen, bleiben Solidarität, soziale Sicherung und politische Teilhabe territorial begrenzt. Migration offenbart damit eine grundlegende Ungleichzeitigkeit von moralischem Anspruch und politischer Wirklichkeit.
Zentral ist der Rückgriff auf den Begriff der transnationalen sozialen Frage: Armut, Gewalt, ökologische Zerstörung und Perspektivlosigkeit sind global verteilt, während soziale Rechte weiterhin überwiegend national organisiert sind. Migration erscheint so als Symptom struktureller globaler Ungleichheit – und als Herausforderung für den Wohlfahrtsstaat, der traditionell auf Inklusion nach innen und Exklusion nach außen beruht.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Differenzierung von Migrationstypen: Migration zur Chancenverbesserung, Flucht und Asyl aufgrund individueller Verfolgung sowie Kriegs- und Bürgerkriegsflucht. Diese Unterscheidung dient nicht der Hierarchisierung von Menschen, sondern einer differenzierten ethischen und politischen Verantwortung.
Philosophisch knüpft die Folge an Immanuel Kant und sein Konzept des Weltbürgerrechts der Hospitalität an: das Recht, nicht feindselig behandelt zu werden. Offene Grenzen erscheinen dabei weniger als unmittelbare politische Forderung denn als normativer Horizont. Thematisiert werden zudem Migration als Mobilisierungsthema des Rechtspopulismus, die geplanten Reformen der europäischen Asylpolitik ab 2026 sowie persönliche biografische Erfahrungen des Autors.
Die Folge endet bewusst offen: Migration erscheint weniger als ein Problem, das gelöst werden kann, sondern als eine menschliche Herausforderung, an der sich entscheidet, welche Art von Weltgesellschaft wir sein wollen – und wie ernst es uns mit Sozialer Nachhaltigkeit und Menschenwürde ist.

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