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Fortschritt – der ISÖ-Podcast – Folge 22 – Kann Politik die Wirtschaft regulieren?

Kann Politik die Wirtschaft regulieren – oder folgt die Politik nur den Regeln globaler Märkte? Über diese Grundfrage spricht Prof. Dr. Michael Opielka mit der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Cornelia Woll, Professorin für Politische Ökonomie und ehemalige Präsidentin der Hertie School.

Ausgangspunkt ist Wolls Forschung zur Regulierung globaler Märkte und ihr Buch »Corporate Crime and Punishment. The Politics of Negotiated Justice in Global Markets«. Das Gespräch arbeitet heraus, dass die Globalisierung die Wirtschaft weit stärker internationalisiert hat als die Politik. Unternehmen, Kapital und Finanzströme sind global mobil, demokratische Legitimation, Steuerpolitik und Rechtsdurchsetzung bleiben dagegen überwiegend national organisiert. Daraus entsteht ein zentrales Spannungsverhältnis moderner Demokratien.

Anhand der Finanzkrise, des Dieselskandals, der Verfahren gegen Siemens und der Aufhebung des Schweizer Bankgeheimnisses erläutert Cornelia Woll, wie die USA ihre wirtschaftliche und juristische Macht extraterritorial einsetzen konnten. Nicht die Qualität amerikanischer Regulierung steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Tatsache, dass das Zusammenwirken von politischer und ökonomischer Macht die Steuerungsmöglichkeiten in der Weltwirtschaft erheblich erweitert.

Das Gespräch ordnet diese Entwicklungen zwischen Adam Smith und Friedrich Hayek einerseits sowie Karl Marx und Karl Polanyi andererseits ein. Diskutiert werden die Chancen dezentraler Märkte, die Risiken wirtschaftlicher Machtkonzentration, unterschiedliche staatliche Steuerungsmodelle in Frankreich, Deutschland und China sowie neue politische Konfliktlinien globalisierter Marktgesellschaften.

Ein weiterer Schwerpunkt gilt der politischen Ökologie. Ausgehend von Bruno Latours »Parlament der Dinge« diskutieren Opielka und Woll, wie Natur, Klima und zukünftige Generationen politisch repräsentiert werden können. Rechte der Natur, die Sustainable Development Goals und neue Formen treuhänderischer Repräsentation erscheinen dabei als wichtige Bausteine einer nachhaltigen Demokratie.

Zum Abschluss spricht Cornelia Woll über ihre wissenschaftliche Prägung, ihre Jahre in Chicago und Paris sowie ihre Erfahrungen als Präsidentin der Hertie School. Das Gespräch verbindet politische Ökonomie, Demokratietheorie und Nachhaltigkeitsforschung zu einer fundierten Reflexion über die Zukunft politischer Gestaltung in einer globalisierten Welt.

Alle Folgen des Podcast sind bei Podigee zu finden.

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Shownotes

Prof. Dr. Cornelia Woll – Hertie School
https://www.hertie-school.org/de/ueber-uns/profil/person/woll

Cornelia Woll, Corporate Crime and Punishment. The Politics of Negotiated Justice in Global Markets (Princeton University Press 2023)
https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691250328/corporate-crime-and-punishment

Vortrag Ethics of Capitalism (Brown University 2026)
https://youtu.be/MUs9fPb88NQ?si=CFvKsXAW97BfE2NQ

Inaugural Address Prof. Woll “Good Governance in Hard Times” (2022)
https://www.hertie-school.org/de/beitrag/content/hertie-school-welcomes-new-students-and-professors-into-the-academic-year-202223