WPN 2030 „Nachhaltige Entwicklung: Eine Frage der Wissenschaft“, Jahreskonferenz in Berlin am 5./6.12.2019

Unter diesem Motto trafen sich WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen am 5. und 6. Dezember 2019 in Berlin. Zentrales Thema der „Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030“ #wpn2030 ist die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS). Auf der Konferenz wurde das Reflexionspapier „Bitte wenden! Wissen(schaft) für eine nachhaltige Entwicklung Deutschlands“ vorgestellt und an die Bundesregierung übergeben. Zu diesem Papier haben mehr als 200 WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen sowie ExpertInnen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beigetragen.

Prof. Michael Opielka und Sophie Peter (ISÖ) konnten aufgrund des Beiratstermins im Zukunftslabor Schleswig-Holstein nur am zweiten Konferenztag teilnehmen. Die gesamte Konferenz wurde auf der Homepage der Wissenschaftsplattform dokumentiert. Am ersten Tag wurden parallele Fachforen zu Themenfeldern der Agenda 2030 angeboten (Mobilität, Zukunft der Arbeit, Global Commons usf.). Auch der zweite Tag warsehr aufschlussreich. Es ist bekannt, dass Deutschland über die Hälfte der Nachhaltigkeitsziele verfehlen werden. Daher ist es dringend notwendig, erstens über die Ziele selbst, aber auch über die Evaluation der Zielerreichung zu sprechen. Im überreichten Reflexionspapier der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 geht es genau darum. Prof. Dirk Messner (Lenkungskreismitglied der wpn2030 und ab dem 1.1.2020 Präsident des Umweltbundesamtes UBA) betonte, dass wir in einer beschleunigten Zeit leben voller Ängste und Zukunftsverdrossenheit. Er sprach in seiner Rede von einem „Quasi-Konsens“ über planetare Grenzen, der Druck und das Bewusstsein sind da, „aber…“. Dieser Weg sei zu zaghaft, zu langsam, zu unambitioniert. Wir benötigten eine Art „Moon-Mission“, die Debatte müsse politisch werden und man muss eine Pfadabhängigkeit schaffen. Seine Worte erinnerten sehr an das Zukunftslabor in Schleswig-Holstein. Wie schaffen wir es, positive Zukunftsbilder zu entwickeln und diese dann auch umzusetzen? Dies ist eine zentrale Aufgabe für die nächsten Jahre. Daraufhin folgte ein Beitrag von Prof. Martin Visbeck vom Helmholtz-Forschungszentrum GEOMAR in Kiel, ebenfalls Lenkungskreismitglied. Er sprach vor allem die politische und gesellschaftliche Relevanz der DNS an. Es müsse auch auf Synergien und Zielkonflikten zwischen Sektoren und Maßnahmen geachtet werden. Hier sei eine systemische Analyse sinnvoll. Daraufhin antwortete Dr. Marianne Beisheim, dass Ziele und Indikatoren ergänzt werden könnten durch „Leitindikatoren“. Eine Gemeinwohlorientierung sei hier zentrales Element. Sie sprach ebenfalls von „Co-Creation“, also davon, ein gemeinsames Problemverständnis zwischen Stakeholdern zu schaffen. Neue Begegnungsräume müssen hier entstehen. In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass uns die Zeit entrinnt. Die Komplexität des Themas bietet verschiedene Lösungswege, die beschritten werden können, sei es durch Gesetzesänderungen, neue Plattformen, positive Narrative und Innovationen. Doch die Verknüpfung ist das „dicke Brett“, das gebohrt werden muss.

Nach dieser schon sehr aufschlussreichen Runde folgte eine Paneldiskussion. Gerade auch für das laufende ISÖ-Projekt Zukunftslabor ist die Thematik der Dimensionen der Gerechtigkeit äußerst wichtig. Wie wird Gerechtigkeit definiert? Steht Leistungsgerechtigkeit über allem? Was ist eine gerechte Ungerechtigkeit? Diese Fragen dürfen bei Ideen der Transformation nicht vernachlässigt werden. Frau Birkenkötter von der Humboldt-Universität Berlin sprach hier das fünfte Nachhaltigkeitsziel zur Gleichstellung an mit der Aussage, dass die DNS hier in Deutschland nicht wirkt. Dazu stellte sie mehrere Hypothesen auf, jedoch ist unklar, ob es an der fehlenden Kommunikation zwischen Politikresorts, der fehlenden Politikinstrumente oder der fehlenden Rechtsverbindlichkeit liegt. Doch schon die Auflistung machte deutlich, dass es viele Baustellen gibt. Zudem wurde das Menschenbild angesprochen. Von wem reden wir eigentlich? Um wen geht es hier? Hier wurde Prof. Opielka´s Kommentar, dass die sozialpolitische Debatte unabhängig von der Nachhaltigkeitsdebatte geführt wird, noch einmal aufgegriffen. Zur Verknüpfung wird das ISÖ weiterhin seinen Beitrag leisten. Hier ist ein demokratischer Diskurs notwendig, der gesellschaftliche und politische Ebenen miteinander verknüpft. Keine leichte Aufgabe, jedoch eine notwendige, um auch unseren nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Erde zurückzulassen.

Hier geht es Konferenz-Hompage.

Einladung zum 4. B.A.U.M. Netzwerktreffen in Osnabrück

Am 15. und 16. Juni folgte Sophie Peter, Junior Researcher des ISÖ, der Einladung von B.A.U.M. (Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V.) zum Netzwerktreffen in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) nach Osnabrück. Thema waren die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen und wie diese in Unternehmen angewendet werden können. Der Fokus lag dabei auf Chancen und Risiken von Digitalisierung für Nachhaltigkeit, Prozessmanagement zur Ressourcenschonung und Fördermöglichkeiten für engagierte Unternehmen durch die Bundesstiftung Umwelt.

Das Programm sah am Freitagnachmittag Präsentationen vor und einen Wandertalk am Samstag zum zwanglosen Austausch. Nach der Organisationsvorstellung stellte Rainer Kant (Dipl. Forstwirt) die Frage: „Was hat Wald mit B.A.U.M. zutun?“. Er sensibilisierte durch Bilder und seinen Vortrag die wechselhafte Verbindung und Abhängigkeit zwischen Unternehmen und dem Ökosystem Wald. Dabei betonte er, dass Unternehmen tagtäglich Dienstleistungen aus dem Wald nutzen und daher eine Verantwortung tragen, ihn nachhaltig zu fördern. Dies kann durch alltägliche Verhaltensweisen geschehen, oder auch durch nachhaltige Anlagen. Danach stellte Michael Kaminski-Nissen (B.A.U.M.-Gesamtvorstand) die SDGs und ihre Anwendung in Unternehmen vor. Eine Websuche ergab, dass die SDGs den Unternehmen immer noch unbekannt sind und der Fokus eher auf Corporate Social Responsibility und GRI-Standards liegt. Des Weiteren muss in diesem Bereich das Umsetzungsdefizit angegangen werde. Für ihn sind die SDGs ein guter Einstiegs- und Konsolidierungspunkt sowie eine Gemeinschaftsaufgabe. Letzteres passt gut mit der Auffassung von Sozialer Nachhaltigkeit des ISÖ zusammen. Danach stellte Carl-Ernst Müller (B.A.U.M. e.V.) das Projekt „nachhaltig.digital“, eine Kompetenzplattform für Nachhaltigkeit und Digitalisierung, vor. Auf dieser Plattform sollen Unternehmen ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam weiterentwickeln. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt vom B.A.U.M. und der DBU.

Nach einer kleinen Pause mit leckerem Erdbeerkuchen gab uns der Gastgeber des Treffens einen Einblick in die Entwicklung seiner Firma Hellmann Process Managagement. André Pohl (Geschäftsführer) zeigte den Weg von einem Recycler hin zu einem Beratungsunternehmen, immer mit dem Nachhaltigkeitsgedanken als Grundlage. Damit veranschaulichte er die vielfältigen Möglichkeiten, die ein kleines und mittleres Unternehmen (KMU) in seiner Entwicklung hat und trotz der nachhaltigen Ausrichtung wachsen und sich weiterentwickeln kann (oder gerade deshalb). Abschluss war eine kurze Übersicht über Fördermöglichkeiten für KMUs durch den DBU von Andreas Skrypietz (DBU).

Das Abendprogramm sah einen gemeinsamen Restaurant-Besuch in der Cafeteria Trattoria am Markt vor. Wir konnten einen Einblick in das Nachhaltigkeitskonzept des Restaurants durch den Inhaber erhalten und die Verkostung bestätige ebenfalls die hochwertige Produktqualität. Dort wurden wir für einen Verdauungsspaziergang von einer Stadtführerin abgeholt, die uns im Dämmerlicht Osnabrück zeigte. Wir erfuhren über den Westfälischen Frieden und die Hexenverfolgung, die durch die Schweden beendet wurde. Der Samstag sah einen Wandertalk zum zwanglosen Gedankenaustausch vor. Der Weg führte über den Westerberg durch das Heger Holz zum Rubbenbruchsee. Rainer Kant streute seinen Input in unsere Unterhaltungen rund um den Wald ein und wir konnten mehr über die Heger Laibschaft erfahren. Zusammengefasst konnte das ISÖ einen guten ersten Einblick in den Arbeitskreis erhalten und mögliche Schnittstellen herausarbeiten.