Veröffentlichung
Fortschritt – der ISÖ-Podcast – Folge 16 – Wie links tickt Deutschland?
In Folge 16 des ISÖ-Podcast „Fortschritt“ spricht Prof. Dr. Michael Opielka mit Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestags, über die Frage „Wie links tickt Deutschland?“. Ausgangspunkt ist der symbolträchtige Ort des Gesprächs: der Deutsche Bundestag im Reichstagsgebäude, ein historischer Ort, der die Fragilität der Demokratie sichtbar macht und zugleich zur Verantwortung mahnt.
Im Zentrum steht die Frage, was „links“ heute bedeutet. Für Ramelow ist „links“ kein ideologischer Begriff, sondern eine Haltung sozialer Verantwortung. Entscheidend ist die Orientierung am Gemeinwohl, insbesondere an den Schwächsten der Gesellschaft. Diese Haltung speist sich aus seiner persönlichen Biografie, geprägt durch ein evangelisches Elternhaus, frühe gewerkschaftliche Arbeit und eigene Erfahrungen mit Armut.
Ramelow kritisiert die zunehmende soziale Ungleichheit in Deutschland und weltweit. Die Konzentration von Vermögen und Macht – etwa bei globalen Tech-Konzernen – gefährde demokratische Prozesse und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig beobachtet er eine zunehmende Individualisierung, die zu Vereinsamung und zum Verlust gemeinschaftlicher Orte führt. „Links“ zu sein bedeutet für ihn daher auch, Gemeinschaft neu zu denken und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt ist seine Zeit als Ministerpräsident in Thüringen. Ramelow beschreibt das Regieren nicht als ideologisches Projekt, sondern als pragmatische Realpolitik unter schwierigen Mehrheitsverhältnissen. Zu den zentralen politischen Maßnahmen zählen Bildungsreformen, die Einführung beitragsfreier Kindergartenjahre, die Stärkung dualer Ausbildung sowie Ansätze zur Reform des Gesundheitswesens. Besonders wichtig war ihm die Stärkung Ostdeutschlands – sowohl ökonomisch als auch symbolisch.
Ein wiederkehrendes Thema ist die Forderung nach mehr direkter Demokratie. Ramelow plädiert für Bürgerräte und Volksabstimmungen, um politische Entscheidungen stärker in der Bevölkerung zu verankern und Vertrauen in demokratische Prozesse zu stärken.
Im biografischen Teil reflektiert Ramelow seine religiöse Entwicklung. Während er der westdeutschen Kirche kritisch gegenüberstand, erlebte er die Kirche in Ostdeutschland als gesellschaftlich engagiert und sinnstiftend. Zugleich warnt er vor einem „religiösen Vakuum“ in Ostdeutschland, das durch politische Bewegungen mit quasi-religiösen Zügen gefüllt werden könne.
Abschließend richtet Ramelow den Blick nach vorn: Er widerspricht der These einer politikfernen Jugend und betont das große Engagement junger Menschen. Entscheidend sei der Dialog zwischen Generationen und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Sein Appell lautet: Engagement lohnt sich – für eine solidarische, demokratische und nachhaltige Gesellschaft.
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Shownotes
Website Bodo Ramelow: https://www.bodo-ramelow.de/
Erfurter Erklärung: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfurter_Erkl%C3%A4rung
Verein Mehr Demokratie e.V.: https://www.mehr-demokratie.de
Katja Kipping, Michael Opielka, Bodo Ramelow, Sind wir hier bei „Wünsch Dir was“? Thesen für einen neuen Sozialstaat, in: UTOPIE kreativ, H. 186, April 2006, S. 333-336
https://www.isoe.org/veroeffentlichungen/aufsaetze/katja-kipping-michael-opielka-bodo-ramelow-sind-wir-hier-bei-wuensch-dir-was-2006/