Veröffentlichung
Fortschritt – der ISÖ-Podcast – Folge 9 – Sozialökologische Landwirtschaft
In der neunten Folge des ISÖ-Podcast „Fortschritt – Gespräche zu Sozialer Nachhaltigkeit und was sonst wirklich wichtig ist“ diskutiert Prof. Dr. Michael Opielka mit Axel Wirz, Agraringenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Deutschland, über die sozialökologische Transformation der Landwirtschaft.
Ausgangspunkt des Gesprächs sind zwei gemeinsame Forschungsprojekte von ISÖ und FiBL: die Studie „Soziale Nachhaltigkeit der Landwirtschaft“ im Auftrag des Deutschen Bundestages sowie das Projekt „Insektenfreundliches Günztal“. Beide Projekte verdeutlichen, dass ökologische Bewertungen von Landwirtschaft ohne eine systematische Berücksichtigung sozialer Dimensionen unvollständig bleiben.
Im ersten Teil der Folge geht es um den Stand und die Entwicklung des ökologischen Landbaus. Zwar ist der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen in Deutschland in den letzten 25 Jahren deutlich gestiegen, zugleich bleibt der Ökolandbau weiterhin eine Minderheit innerhalb der Agrarproduktion. Diskutiert werden Zielkonflikte zwischen Produktivität, Biodiversität, Klima- und Naturschutz sowie Unterschiede zwischen Umwelt- und Naturschutz. Axel Wirz zeigt, dass viele ökologische Anbaupraktiken inzwischen auch von der konventionellen Landwirtschaft übernommen werden, während der Ökolandbau seinerseits von technischen Innovationen profitieren kann.
Der zweite Schwerpunkt widmet sich der sozialen Dimension der Landwirtschaft. Entgegen dem verbreiteten Vorurteil ist ökologische Landwirtschaft kein Projekt für Wohlhabende allein. Bio-Produkte spiegeln vielmehr reale Produktionskosten wider, während Umwelt- und Folgekosten konventioneller Landwirtschaft häufig externalisiert werden. Thematisiert werden außerdem Arbeitsbedingungen, Selbstausbeutung in landwirtschaftlichen Betrieben, Ernährungsgerechtigkeit sowie alternative Modelle wie die Solidarische Landwirtschaft (Solawi).
Im politischen Teil des Gesprächs wird deutlich, dass die gegenwärtige Agrarpolitik zentrale Zielkonflikte nicht auflöst. Subventionssysteme, die primär Mengen und Flächen fördern, gelten langfristig als nicht tragfähig. Diskutiert werden mögliche Perspektiven einer Neuorientierung hin zur Honorierung ökologischer Leistungen, zu veränderten Konsummustern – insbesondere beim Fleischverbrauch – sowie zur Rolle europäischer Agrarpolitik.
Abschließend reflektieren Opielka und Wirz die Rolle der Wissenschaft. Forschung kann zur Transformation beitragen, indem sie Wissen sichert, weiterentwickelt und gemeinsam mit der Praxis neue Lösungsansätze erprobt. Dabei geht es nicht nur um mehr Daten, sondern um eine verantwortungsvolle Einordnung von Wissen und eine begründete, zuversichtliche Perspektive auf die Zukunft der Landwirtschaft.
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